Rekordrückgang jetzt amtlich - Stahlproduktion so niedrig wie in den 50er Jahren
15.05.2009 | Radio Freiheit
Wie weit Propaganda und Wirklichkeit auseinander liegen, zeigten vor einigen Tagen die Meldungen, daß wirtschaftlich offenbar alles gar nicht so schlimm und die Talsohle wohl schon erreicht sei. Die Industrie befinde sich augenscheinlich schon wieder auf Erholungskurs usw.
Diese Lügenpropaganda, vom System gestreut und von der veröffentlichten Meinung unreflektiert weiter getragen, ist schon mehr als dreist. Denn schon wenig später traf die nächste Hiobsbotschaft ein, die durchaus geeignet ist, den Ernst der Lage zu verdeutlichen.
Diesen Negativrekord hat es nämlich seit Bestehen der BRD noch nicht gegeben: Demnach ist die Stahlproduktion binnen eines Jahres um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Die Flaute bei der Autoindustrie und im Maschinenbau reißen bereits Konzerne wie ThyssenKrupp und Salzgitter mit nach unten. Entsprechend hat die bundesdeutsche Stahlindustrie hat ihre Produktion im April 2009 in Rekordtempo gedrosselt. Sie brach um 53,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ein, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. „Das ist der stärkste Rückgang seit Bestehen der Bundesrepublik“, sagte ein Statistiker.
Insgesamt wurden 1,88 Millionen Tonnen Rohstahl hergestellt – so wenig wie zuletzt in den 50er-Jahren. Verglichen mit dem Vormonat zog die Produktion kalender- und saisonbereinigt um 2,5 Prozent an. Der Anstieg sei auf Sondereffekte zurückzuführen und deshalb kein Signal für eine Trendwende, sagte der Statistiker. Die Flaute bei wichtigen Abnehmern wie Autoindustrie und Maschinenbau habe die deutsche Stahlbranche mit ihren Branchenführern ThyssenKrupp und Salzgitter in die Krise gestürzt. Viele ihrer Anlagen sind derzeit nur zur Hälfte ausgelastet. Tausende Stahlarbeiter sind in Kurzarbeit. Und bald arbeitslos, möchte man hinzufügen.
Der ThyssenKrupp-Konzern beispielsweise will in seiner notleidenden Stahlsparte 1.800 bis 2.000 Arbeitsplätze streichen. In den Hüttenwerken wurden außerdem nur noch 1,06 Millionen Tonnen Roheisen erzeugt. Damit wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 57 Prozent weniger Roheisen hergestellt. Im Vergleich zum Vormonat sank die Produktion im April den Angaben zufolge bei Roheisen um 14,7 Prozent.
In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres wurden bundesweit 5,54 Millionen Tonnen Roheisen und 9,16 Millionen Tonnen Rohstahl hergestellt. Gegenüber zum Vorjahr sei die Roheisenproduktion damit um 44,9 Prozent und die Rohstahlproduktion um 43,0 Prozent gesunken.
Stahlblech-Rollen auf Halde
Gegen diesen Produktionseinbruch ist selbst das Jahr 1929 noch ein „gutes“ Jahr gewesen. Damals brach die Wirtschaft lediglich um etwa 20 Prozent ein. Den heute zu verzeichnenden Einbruch von weit über 50 Prozent kann man objektiv nur als den Beginn einer gewaltigen Depression bezeichnen, viel größer als die von 1929. Nur dass niemand bereit ist, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Die etablierte Politik übt sich auffällig in Gesundbeterei, wo nicht mehr gesund zu beten ist.
Denn Stahl steht am Anfang der Produktionskette, daher müßte dieser Einbruch eigentlich jedermann alarmieren. Letztlich ist das nämlich ein Ausblick auf das, was auch auf den Maschinenbau noch zukommen wird. Dieser hat bisher nur deswegen keine so dramatischen Rückgänge zu verzeichnen, weil noch bestehende Aufträge abgearbeitet und Lagerbestände an Stahl aufgebraucht werden können. Daß neue Stahlbestellungen offenbar ausbleiben, kann nur eines bedeuten: Die Auftragslage ist auch für die anderen Branchen noch viel stärker eingebrochen, als zugegeben wird. Und natürlich fragt man sich auch, warum auf einmal die Chinesen nichts mehr bestellen, die angeblich noch vor wenigen Monaten die Märkte leerkauften und die Preise nach oben schnellen ließen.
Wenn die Zeichen nicht trügen, dann wird die gerade erst beginnende Weltwirtschaftskrise die von 1929 bei weitem in den Schatten stellen. Man darf gespannt sein, wann in der veröffentlichten Meinung die Worte „Abschwung“ und „Krise“ durch „Weltwirtschaftskrise“ ersetzt werden, die den Ist-Zustand viel besser beschreibt. Lange wird man jedenfalls nicht mehr mit der Vernebelungstaktik fortfahren können, denn die ersten Massenentlassungen stehen nun - Gott sei Dank noch vor den Wahlen - ins Haus.
in ein paar Monaten wird es auch dort zappenduster!