Wer nicht bereit ist, für 69 Euro im Monat zu arbeiten, hat die Globalisierung nicht verstanden!
25.05.2009 | Radio Freiheit
Der Liberalkapitalismus ist von Natur aus menschenfeindlich. Er braucht Sklavenarbeit und Hungerlöhne zur Profitmaximierung in seinem Schweinesystem und beseitigt daher rücksichtslos alle Grenzen, die dabei hinderlich sind. Das nennt man Globalisierung - und die will erklärtermaßen dafür sorgen, daß die einheimischen Arbeitnehmer bei den Löhnen und Sozialstandards in einen Wettbewerb mit Ländern wie China, Indien und Bangladesh treten. Hierbei können nur die Konzerne gewinnen und die deutschen Arbeitnehmer verlieren.
Am 9. Mai 2009 stellte der „Express“ die Frage, ob man sechs Tage die Woche arbeiten wolle, mit 13. Monatsgehalt und Rentenversicherung - für 69 Euro im Monat!
Diese Frage war kein Scherz. Zum Beispiel die Textilfirma Carreman im südfranzösischen Castres meinte das durchaus ernst: Sie bietet ihren Mitarbeitern zu den genannten Konditionen eine Beschäftigung in Indien an. Und Angebote wie dieses seien kein Einzelfall. Ein Maschinenbauer im Elsass bietet seinen Mitarbeitern an, sie in Rumänien für 110 Euro im Monat weiter zu beschäftigen. Die Angestellten eines Unternehmens aus der Bretagne bekamen ein Angebot, künftig für 230 Euro in der Türkei zu arbeiten.
Der Grund für diese Angebote ist ein französisches Gesetz, das den Arbeitgeber verpflichtet, bei „Umstrukturierungen“ mit Stellenabbau eine Weiterbeschäftigung an einem anderen Standort anzubieten. Und das gelte auch dann, wenn die Filialen in Indien, Polen oder Papua seien.
Wer es schon vergessen haben sollte, auch die Firma Nokia bot seinerzeit den vor der Entlassung stehenden Arbeitern in Bochum an, nach Rumänien umzuziehen und für die dortigen Konditionen im neuen Werk weiterzuarbeiten.
Für dieses Angebot bedurfte es keines Gesetzes. Hier kam der Zynismus der Globalisierer zum Ausdruck, der mit dem Vorurteil aufräumte, daß der Liberalkapitalismus eine soziale Komponente hat und Arbeit mit fairen Löhnen schafft, damit es auch den Arbeitnehmern gut geht, wenn es der Firma gut geht.
Die Wirklichkeit sieht inzwischen ganz anders aus. Dem Liberalkapitalismus und seinen Handlangern in der etablierten Politik geht es offenkundig nur noch um Profitmaximierung ohne Rücksicht auf die Verluste anderer. Auf der Strecke bleiben die Arbeitsplätze in Europa.
Armut trotz Arbeit - so etwas hat es seit Menschengedenken in Deutschland nicht mehr gegeben. In der BRD ist das hingegen für viele eine bittere Realität. Die Betroffenen können sich bei den etablierten Blockparteien dafür bedanken, daß Hunderttausende ehemals menschenwürdig bezahlte Arbeitsplätze einem künstlich geschaffenen Niedriglohnbereich geopfert wurden, oder gleich ganz nach Indien verschwanden.
Insofern fällt die Bilanz der Globalisierung in den entwickelten Ländern ähnlich aus: Wenigen, die zu den Gewinnern zählen, stehen unzählige Menschen gegenüber, die durch Lohn- und Sozialdumping sowie durch „Umstrukturierungen“ offenkundig zu Verlierern wurden.
Menschen, die noch vor zehn oder fünfzehn Jahren einen sicheren und menschenwürdig bezahlten Arbeitsplatz hatten, stehen heute nach der „Flexibilisierung“, „Entgrenzung“ und „Beschleunigung“ durch die Globalisierung mit dem Rücken zur Wand. Mithin wird die Globalisierung schon lange nicht mehr als Versprechen auf stetig wachsenden Wohlstand verstanden, sondern zu Recht als Bedrohung.
Eine nationale Politik sähe natürlich ganz anders aus. Abgesehen einmal davon, daß diese bemüht wäre, durch Umsetzung der raumorientierten Volkswirtschaft die für die deutschen Arbeitnehmer verheerende Globalisierung rückgängig zu machen, ist eine nationale Wirtschaftspolitik eine Politik der Vollbeschäftigung. Genau das will die nationale und soziale Systemalternative: Anständige Löhne und Arbeitsplätze zuerst für Deutsche!